Ehe-Aus: Die Fusion von Time Warner und AOL

October 9 by Cristóbal Crespo

Wir schreiben das Jahr 2000. Time Warners Kabel-TV-Sender fesseln amerikanische Zuschauer mit Shows wie Sex and the City und The Sopranos. Warner Bros. ist kurz davor, Herr der Ringe und Harry Potter in die Kinos zu bringen.

Aber das reichte dem Medienhaus noch nicht. Denn was fehlte, war eine Online Präsenz.

Wer stattdessen DER Online-Player in der Zeit war: AOL, der für Millionen Amerikaner das Internet ins Haus brachte. Eine Fusion von Time Warner und AOL, das wäre doch das perfekte Paar – oder?

Das perfekte Paar

Für Time Warner waren AOLs 25 Millionen Abonnenten verlockend. Und für AOL war natürlich Times Warners Kabelnetzwerk und die Inhalte interessant. Es sah also aus wie eine hübsche Vernunftehe.

Zwar hatte Time Warner mehr Umsatz, dafür war AOL aber das Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung (das ist der Marktwert berechnet anhand der ausstehenden Aktien). AOL würde also Time Warner für 164 Milliarden US-Dollar kaufen, während seine Anteilseigner 55 Prozent des neuen Unternehmens kontrollieren würden.

Der Deal wäre die größte Fusion überhaupt gewesen. Ted Turner, der der Chef von AOL Time Warner werden würde, sagte: Die Fusion sei besser als Sex. (Fun Fact: Seine Frau reichte später die Scheidung ein… vielleicht war Sex generell nicht so sein Ding).

Der Anfang vom Ende

Im Nachhinein war die Fusion von Time Warner und AOL doch eher eine Affäre ohne Zukunft.

Als sie zusammenkamen, war AOL ganz oben. Aber kaum jemanden war bewusst, dass es von da an nur noch abwärts gehen würde. Denn bei AOL ging es um Internet zum Einwählen. (Bitte mal kurz an die Wahnsinnsgeschwindigkeit eines 56k-Modems denken…). In jedem Fall startete das schnelle Breitbandnetz und vernichtete AOLs Vormachtstellung in kürzester Zeit.

Dazu kam dann auch noch das Platzen der Dotcom-Blase, die auch andere Scheinriesen wie Pets.com zu Fall brachte. Werbe-Dollar lösten sich in Rauch auf, was extrem schmerzhaft für AOL war, da Werbung mit die größte Cash Cow war.

AOL musste deshalb im Jahr 2002 einen Rekordverlust von 99 Milliarden US-Dollar verkünden. Zu der Zeit war es der größte Verlust, den ein Unternehmen je bekanntgeben musste.

Vor der Fusion von Time Warner und AOL waren die beiden Unternehmen 290 Milliarden US-Dollar wert. Als die Fusion dann durch war und ein Jahr ins Land gegangen war, waren davon nur 126 Milliarden US-Dollar übrig. Vergleichbar mit dem Wert eines Neuwagens, der ab Minute 1 deines Kaufs weniger wert wird. Der Wert von AOLs Aktien fiel auf 20 Milliarden US-Dollar.

Miese Affäre

Das Liebesglück kühlte extrem schnell ab. Zunächst hatte es wie ein Traumpaar ausgesehen. In der Realität war es bisschen, als ob man Zebras und Löwen in denselben Käfig sperrt und hofft, dass sie zurechtkommen. Klappt natürlich nicht. Das führt auch zu einer Reihe von Entlassungen und Kündigungen.

Mit all dem Ärger um AOL, war das Ende vorhersehbar. Im Jahr 2003 strich das Unternehmen die drei Buchstaben ganz aus seinem Namen. Auch wenn AOL eigentlich Time Warner gekauft hat, war dann AOL am Ende derjenige, der seinen Einfluss und seine Macht verloren hat. Und die Moral von der Geschichte? Nicht zu schnell binden, denn nicht alle Ehen enden wie im Märchen.

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