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Tesla Quartalszahlen: Alles, was du wissen musst

Der Elektroautohersteller Tesla wird am 22. Juli 2020 seine Ergebnisse für das zweite Quartal veröffentlichen. Hier erfährst du alles, was du darüber wissen solltest.

Die wichtigsten Punkte:

  • Analysten erwarten einen Verlust von 0,71 $ pro Aktie und einen Umsatzrückgang um 19 %.  
  • Die Tesla-Aktien sind im letzten Jahr stark gestiegen, wodurch Tesla zum besten Performer an der NASDAQ und zum wertvollsten Automobilunternehmen der Welt wurde. Das bedeutet auch, dass die Aktie im Moment ziemlich teuer ist. 
  • Die Quartalsergebnisse können durch die Nachfrage aus China, Preisnachlässe und Lohnkürzungen beeinflusst werden.

Was die Analysten über Tesla denken

Für das im Juni endende Quartal erwarten Analysten, dass Tesla seine Verluste im Schnitt von 1,12 $ pro Aktie vor einem Jahr auf 0,71 $ reduziert hat, wobei die Schätzungen zwischen einem Gewinn von 1,22 $ und einem Verlust von 2,53 $ liegen. In der vergangenen Woche haben 7 von 16 Analysten ihre Erwartungen erhöht.

Was den Umsatz betrifft, so erwartet die Wall Street, dass er gegenüber dem letzten Jahr um etwa 19 % auf 5,14 Milliarden $ geschrumpft ist.

Ein Blick auf die Aktie

Tesla war bisher in diesem Jahr der beste Performer in der NASDAQ. Trotz Pandemie und weltweiter Rezession hat sich der Marktwert des Unternehmens seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Die 280-Milliarden-Dollar-Schwelle wurde überschritten, Tesla ist damit zum wertvollsten Autohersteller der Welt aufgestiegen – sorry, Toyota!

Beim Tiefstpunkt des Börsencrashs Mitte März war die Aktie rund 350 $ wert. Danach stieg die Tesla-Aktie in weniger als vier Monaten auf bis zu 1.774 $, um sich danach bei rund 1.500 $ einzupendeln.

Tatsächlich wurde ein beträchtlicher Teil dieses Wachstums allein in der ersten Juliwoche nach Hause gebracht, nachdem das Unternehmen Zahlen über seine Produktion und Auslieferungen in dem im Juni endenden Quartal veröffentlicht hatte.

Lieferzahlen besser als gedacht

Trotz des Lockdowns, der Tesla gezwungen hat, sein Hauptwerk in Fremont, Kalifornien, für die erste Hälfte des Quartals zu schließen, gelang es dem Unternehmen im zweiten Quartal 82.272 Autos zu produzieren – nur 5.000 weniger als vor einem Jahr.

Noch bemerkenswerter ist, dass es den Mitarbeitern von Tesla-Boss Elon Musk inmitten eines zusammenbrechenden Automarktes im selben Quartal gelang, 90.650 Fahrzeuge auszuliefern. Das sind zwar  5% weniger als im Vorjahr, aber mehr als die 87.500, die von Analysten im Durchschnitt erwartet wurden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Tesla was die Auslieferungen betrifft, ein viel besseres Quartal hinter sich hat als erwartet. Die Märkte haben das sehr positiv aufgenommen und den Aktienkurs fast senkrecht in die Höhe getrieben. Allerdings können die Lieferzahlen nicht genau Auskunft über die Verkäufe geben (sie verzögern sich um 4 bis 7 Wochen), und das Endergebnis wird auch von den Verkaufspreisen und den Kosten beeinflusst werden. Daher könnte das wirtschaftliche und finanzielle Bild anders ausfallen als erwartet.

Was du noch auf dem Schirm haben solltest

Im zweiten Quartal wird Teslas Ergebnis von mindestens drei Hauptfaktoren beeinflusst werden – der Erholung des Geschäfts in China, Preisnachlässen und Kostensenkungen.

Trotz der Schwere des COVID-19-Ausbruchs in China wurde die neue Fabrik des Unternehmens in Shanghai – die erst Anfang dieses Jahres eröffnet wurde – nur für einige Wochen geschlossen und nahm den Betrieb am 10. Februar wieder auf.

Daher war das Werk in der Lage, während des gesamten zweiten Quartals Autos zu montieren. In der Zwischenzeit erholte sich die Nachfrage nach Elektroautos in China sehr schnell wieder, so dass Tesla dort im zweiten Quartal rund 29.700 Fahrzeuge des Modells 3 verkaufen konnte.

Ein zweiter zu berücksichtigender Faktor sind Preissenkungen. Im Mai gewährte Tesla einen Preisnachlass von 2.000 $ für Modell 3 (Durchschnittspreis: 50.000 $) und einen von 5.000 $ für Modell S und X (Durchschnittspreis zwischen 80.000 $ und 130.000 $). Da die Auslieferungen in der Regel mehrere Wochen dauern, wird sich der positive Effekt dieser Rabatte auf die Auslieferungszahlen wahrscheinlich erst im nächsten Quartal bemerkbar machen, während sich die Auswirkungen auf die Einnahmen sofort zeigen werden. Einerseits steigert das den Absatz. Auf der anderen Seite verringert sich dadurch aber der Umsatz pro verkauftem Fahrzeug, was die Bruttomarge drückt.

Drittens hat das Unternehmen einige Kosten eingespart. In den USA wurden die Gehälter von Angestellten in der Kategorie Vice Presidents und höher für das Quartal um 30 % gekürzt, während die Gehälter der Direktoren um 20 % gekürzt wurden und allen anderen mit 10 % weniger leben müssen. Den Beschäftigten in anderen Ländern erging es ähnlich, während viele Fabrikarbeiter, die während der Abriegelung offensichtlich nicht von zu Hause aus arbeiten konnten, für den größten Teil des Aprils beurlaubt wurden.

Wie es den Wettbewerbern geht

Die oben genannten Faktoren können uns zwar einen Hinweis darauf geben, wie sich das Unternehmen im letzten Quartal entwickelt hat, aber die Wahrheit ist, dass wir nicht genug Infos haben, um wirklich beurteilen zu können, wie wahrscheinlich es ist, dass Tesla die Erwartungen übertreffen wird.

Manchmal hilft da ein Blick zur Konkurrenz. Im zweiten Quartal sanken bei GM, Ford und FCA die Verkäufe aufgrund des Lockdowns um 34, 33 bzw. 39%.

Allerdings ist der Vergleich zwische Tesla und den großen Jungs auf dem Automarkt nicht wirklich fair. GM, Ford und FCA verkaufen jedes Quartal mehrere hunderttausend Autos, das ist also eine andere Liga. Tesla befindet sich in einer anderen Wachstumsphase.

Ein weiterer Punkt: Obwohl Tesla vom Massenmarkt träumt, konzentriert sich das Unternehmen derzeit noch auf wohlhabende, umweltbewusste Kunden, denen der Lockdown finanziell eher wenig geschadet hat. In den USA waren die Niedriglohnarbeiter am stärksten betroffen. Daher dürften sich die Wachstumszahlen von Tesla deutlich von denen seiner Konkurrenten unterscheiden.

Worüber du dir Sorgen machen solltest

Unabhängig davon, ob du nun glaubst, dass Tesla die Erwartungen übertreffen oder kläglich scheitern wird: Bevor du überhaupt in Erwägung ziehst, in eine Aktie zu investieren, solltest du dir vorher immer auch die fundamentalen Kennzahlen ansehen.

Teslas nachlaufende P/E (Price-Earnings-Ratio, Kurs-Gewinn-Verhältnis) liegt bei etwa 363, was bedeutet, dass der Aktienkurs das 363-fache des Gewinns pro Aktie beträgt, den das Unternehmen in den letzten 12 Monaten erwirtschaftet hat. Zum Vergleich: Die NASDAQ hat ein P/E von etwa 28,56. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (Price-to-Sales), eine weitere Bewertungskennzahl, die für Unternehmen in einem frühen Stadium als geeigneter angesehen wird, liegt bei 10,66 für Tesla gegenüber einem Durchschnitt von 4,55 an der NASDAQ.

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten für die Aktie liegt derzeit bei 766,5 $, also im Grunde genommen bei der Hälfte des aktuellen Kurses.

All das bedeutet nicht, dass die Tesla-Aktie nach der Veröffentlichung von Gewinnen nicht weiter steigen kann, aber es deutet sicherlich darauf hin, dass sie im Moment nicht billig verkauft wird.

Übrigens: Am 22. Juli wird auch Microsoft seine Zahlen veröffentlichen. Unsere Analyse dazu findest du hier. 

 

Alle Ansichten, Meinungen und Analysen in diesem Artikel sollten nicht als persönliche Anlageberatung gelesen werden, und individuelle Anleger sollten ihre eigenen Entscheidungen treffen oder unabhängigen Rat einholen. Dieser Artikel wurde nicht in Übereinstimmung mit gesetzlichen Bestimmungen zur Förderung der Unabhängigkeit der Investitionsrecherche verfasst und gilt als Marketingmitteilung.

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