Quartalszahlen-Saison für Dummies

Quartalszahlen! Vier Mal im Jahr freuen sich Börsianer auf diese besonderen Tage, in denen die Unternehmen sich in ihre Bücher gucken lassen. Denn dadurch ergeben sich jede Menge Trading-Chancen – wenn man weiß, was hinter den ganzen Kennzahlen steckt.

Vier Mal im Jahr

Die meisten Unternehmen veröffentlichen ihre Zahlen im selben Zeitraum: Januar, April, Juli und Oktober. Allerdings hängt das auch vom fiskalen/finanziellen Jahr eines Unternehmens ab, das nicht immer genau dem Kalenderjahr folgt. Sowohl Trading-Volumen als auch Volatilität erhöhen sich in der Regel in diesen Monaten – und das bedeutet jede Menge Trading-Gelegenheiten.

Während manche Unternehmen selbst vorab erste Erwartungen bekannt geben, gucken viele Investoren auf die Analysten und deren Erwartungen. Oft sind die schon im Aktienkurs eingepreist. Der Markt interessiert sich vor allem dafür, ob ein Unternehmen diese Erwartungen verfehlt, erfüllt oder sogar übertrifft. Als Folge davon kann eine Aktie an dem Tag sehr stark schwanken – sogar Bewegungen von 20% sind keine Seltenheit.
Wie du einen Quartalsbericht liest

Wir verstehen schon, einen Unternehmensbericht zu lesen ist ähnlich schwierig, wie sich durch “Krieg und Frieden” zu quälen. Diese Berichte sind lang, langweilig und voller Fachbegriffe, die keiner versteht, der keinen BWL-Abschluss hat.

Aber du kannst sie dir auch ein bisschen wie Ikea-Anleitungen vorstellen. Sie sehen auf dem ersten Blick extrem kompliziert aus. Aber wenn man erst mal anfängt, die ersten Stück zusammen zu basteln, kommt man sich vor wie der absolute Heimwerkerkönig. Und wenn du erst mal das 3. Regal gebaut hast, bist du ein Experte.
Dasselbe geht für Unternehmensberichte. Du wirst zwar nicht über Nacht ein Analyst, aber du kannst schnell lernen, wie du die Berichte überfliegst, und die wichtigsten Punkte findest. Hier also ist unsere Anleitung, die dir die wichtigsten Indikatoren verrät, wo du sie findest und wie du sie interpretierst.

Die Anleitung

Umsatz

Ob du es nun Umsatz, Absatz oder Erlös nennst, hier geht es um das gesamte Geld, dass ein Unternehmen verdient hat in diesem Quartal. Wenn es zuwenig ist, dann könnte das Unternehmen es schwer haben, die laufenden Kosten zu bezahlen. Investoren stehen also darauf, dass der Umsatz steigt.

Nettogewinn

Dieser Betrag bleibt übrig, wenn ein Unternehmen seine ganzen Fixkosten bezahlt hat. Du findest es am Ende der Gewinn- und Verlustrechnung. Es gibt den Investoren einen guten Überblick darüber, wie effizient das Unternehmen ist und wie es performt im Vergleich zur Konkurrenz.

EPS

EPS steht für Earnings Per Share, also Gewinn je Aktie. Diese Kennzahl ist vor allem bei US-Unternehmen verbreitet. Du bekommst diese Kennziffer, indem du den Nettogewinn durch die Anzahl der ausstehenden Aktien teilst. Je höher das EPS, umso mehr sind deine Aktien wert, da die Anleger bereit sind, mehr für höhere Renditen herauszugeben. Deswegen ist für viele Investoren der EPS-Wert oft wichtiger als der Gewinn.

Weitere Kennziffern

Es gibt allerdings noch andere wichtige Kennziffern. Nehmen wir mal relativ junge Tech-Unternehmen wie Twitter oder Snap. Bei denen ist statt des EPS oft das Wachstum wichtiger. Deswegen liegt der Fokus dann zum Beispiel an der Menge der täglichen User. Das hilft dabei, einzuschätzen, wie populär das Unternehmen ist und wie hoch das Potenzial ist.

Alles über Erwartungen

Jetzt, da du weißt, was die wichtigsten Faktoren in einem Unternehmensreport sind, musst du noch an einen anderen wichtigen Faktor denken. Denn die Zahlen sind nicht der einzige Grund, warum sich die Aktie bewegt. Manchmal kann eine Firma auch zweistellig wachsen und die Investoren verkaufen dann trotzdem.
Warum? Nun ja, schon Charles Dickens wusste, es geht alles um Große Erwartungen.

Viele dieser Erwartungen sind von Analysten festgesetzt worden, die fette Gehälter von Banken und Ratingagenturen bekommen, um die Zukunft vorherzusagen. Diese Analysten gucken also in die Kristallkugel (oder eher, sie scannen die Unternehmenszahlen und gucken sich Daten an), um ihre eigenen Vorhersagen der Unternehmenszahlen zu geben. Dann errechnet man aus allen diesen Vorhersagen den Durchschnitt – und schon hat man das erwartete Ergebnis, an dem sich das Unternehmen dann messen lassen muss.

Wenn dann die echten Zahlen rauskommen, vergleicht man die nicht nur mit den Zahlen vorm letzten Jahr, sondern eben auch mit dem erwarteten Gewinn. Wenn das Ergebnis höher ist, dann wird die Aktie vermutlich steigen. Ist es niedriger, dann wird sie vermutlich fallen (dann kannst du short gehen).

Du kannst auch einen Blick auf die eigenen Erwartungen des Unternehmens selbst werfen. Unternehmen müssen das nicht tun, aber viele geben vorab bekannt, mit welchem Gewinn sie rechnen. Es ist vermutlich eine Methode, um die unangenehme Überraschungen für die Anteilseigner zu vermeiden.

Disclaimer: Alle Ansichten, Meinungen und Analysen in den Artikeln sind die des Autors und repräsentieren nicht die Ansichten von BUX. Weder BUX noch der Autor bieten finanzielle Beratung und die Artikel sollten nicht als Beratung verstanden werden.

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