Wie George Soros die Bank of England knackte

Du musst schon zugeben, so einen Titel hättest du auch gerne auf deiner Visitenkarte: „Der Mann, der die Bank von England knackte“. Sorry, den Titel hat sich schon George Soros geschnappt – und oben drauf hat er noch eine Milliarde Dollar in nur einem Monat verdient. Wie hat er das geschafft? Nur Geduld, junger Padavan, wir werden dir die Geschichte erzählen, wie George Soros die Bank of England besiegt hat.

Was ist genau passiert?

Dazu müssen wir ein paar Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit reisen. Das Europäische Währungssystem (EWS) wurde 1979 gegründet, um die verschiedenen europäischen Währungen zueinander stabil zu halten. Dafür wurde ein spezieller Wechselkursmechanismus eingeführt. Seit 1990 war auch das Pfund Teil des EWS. Es stieg mit einem Wert von 2,95 DM ein. Da eine Abweichung von mehr als 6 Prozent verboten war, durfte das Pfund danach nie weniger als 2,778 DM wert sein – sonst müsste die Bank of England einschreiten.

Das klingt alles sehr einfach und sicher, nicht wahr? Das Problem: Die britische Währung war im Vergleich zur superharten Deutschen Mark überbewertet. Viele Investoren, allen voran der Milliardär George Soros, wussten das ganz genau. Allerdings mussten sie erst auf den perfekten Zeitpunkt warten, um das Pfund angreifen zu können.

Der richtige Moment für den Angriff

Und der kam dann eher zufällig. Der damalige Bundesbank-Chef Helmut Schlesinger sagte in einem Interview, dass er manche Währung für überbewertet halte – und dass die Bundesbank im Falle des Falles, also wenn so eine Währung in Schwierigkeiten geraten würde, nicht einspringen würde.

Meistens haben die Notenbanken nämlich den längeren Atem bei Währungsattacken von Spekulanten. Die Banken kaufen dann große Mengen der schwachen Währung auf und werfen gleichzeitig riesige Mengen der starken Währung auf den Markt. Als Schlesinger sagte: „Nö, wir halten wir uns raus“, da war Soros klar: jetzt oder nie!

Wie ging Soros genau vor?

Kurz und knapp: Soros und sein Hedge-Fonds Quantum gingen mit Dollar gegen das Pfund short. Damit er das im großen Stil machen konnte, lieh er sich Pfund im Wert von rund zehn Milliarden Dollar. Diese Pfund wiederum tauschte er gegen starke europäische Währungen wie die Deutsche Mark und den französischen Franc um und setzte damit das Pfund unter Druck. Und Soros hatte Trittbrettfahrer: Dazu gehörten neben einigen Investmentfonds auch US-Banken wie Citicorp, J. P. Morgan oder First Chicago.

Der Angriff folgte also an mehreren Fronten - und die Bank von England konnte das Pfund auf Dauer nicht stützen. Schließlich blieb dem damaligen britischen Premier John Major nichts anderes übrig, als aus dem EWS auszutreten, das Pfund zu entwerten und wieder floaten – also frei schwanken - zu lassen. Das geschah am Mittwoch, dem 16. September, der damit als Black Wednesday (Schwarzer Mittwoch) in die Annalen der Finanzgeschichte einging.

Und wie konnte George Soros die Bank of England besiegen? Nach der Abwertung des Pfunds tauschte er seine DM und Franc in Pfund um, zahlte dann das Geld zurück, das er sich für den Coup geliehen hatte – und machte damit einen Riesengewinn: mindestens 1 Milliarde Dollar. Die Trittbrett-Banken verdienten übrigens im dritten Quartal zusammen rund 800 Millionen Dollar mehr, als was sie sonst so beim Währungshandel verdient hatten.  

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